Highlights Männer: Weltmeister von Konkurrenz stark gefordert

Bei Weltklasse Zürich wussten sich die weltbesten Leichtathleten einmal mehr gekonnt in Szene zu setzen. Das Gerangel um die Siege im Stadion Letzigrund war gross, was zahlreiche Olympiasieger und Weltmeister zu spüren bekamen und in einigen Fällen zu erfolgreichen WM-Revanchen führte.

200 m: Herzschlagfinale bei Favoritensieg
Seit vergangener Woche ist Noah Lyles (USA) dreifacher Sprint-Weltmeister. Das machte ihn bei Weltklasse Zürich zum grossen Gejagten über die halbe Bahnrunde. Der 26-Jährige enttäuschte nicht, auch wenn er bis auf die letzten Meter zu kämpfen hatte. Gerade noch warf sich der «singende» Überflieger, bekannt auch als Rapper aus dem Weltklasse Zürich-Song «Souvenir», vor dem 19-jährigen Supertalent Erriyon Knighton (USA) ins Ziel. 19,80 gegenüber 19,87 lautete das Verdikt. Zharnel Hughes (GBR) auf Rang drei schaffte es ebenfalls unter die 20-Sekunden-Schallmauer (19,94).
Mit dem Sieg bei Weltklasse Zürich baut Sprint-König Lyles weiter an seinem Selbstvertrauen. Keck gab der US-Amerikaner zu Protokoll: «Alle wollen sie etwas von meiner Krone, aber sie kriegen sie nicht.»

400 m Hürden: McMasters süsse WM-Revanche
Als eines der Highlights des Abends angekündigt, hielten die 400 m Hürden, was sie versprochen hatten. Weltrekordhalter, Olympiasieger und Dreifach-Weltmeister Karsten Warholm ist der Superstar in dieser Disziplin. Mit seinem offensiven Laufstil ist er sich ausserdem gewohnt, jeweils früh im Rennen die Führung zu übernehmen. Nicht zum ersten Mal sah das Stadion Letzigrund für den Norweger allerdings andere Spielregeln vor. Bereits bei zwei früheren Gelegenheiten fing WM-Silbermedaillist Kyron McMaster Warholm auf der Ziellinie ab. In einer hochspannenden Entscheidung wiederholte sich heuer die Geschichte von 2017 und 2018. Der Mann von den Britischen Jungferninseln setzte sich in 47,27 Sekunden nur drei Hundertstel vor Warholm durch, Dritter wurde Ex-Weltmeister Alison dos Santos (BRA/47,62). Ob nach drei Niederlagen auf Zürichs Conica-Bahn beim Norweger von einem «McMaster-Trauma» die Rede sein kann?
Seine Rückkehr an die Spitze löste bei McMaster Zufriedenheit aus. «Es fühlt sich so gut an, nach der WM zu siegen», sagte er, um folgende Feststellung anzufügen: «Das Publikum hier ist immer so laut und unterstützend. In diesem Stadion hat es mehr Leute als zu Hause auf meiner Insel.»

Stabhochsprung: Duplantis kratzt am Weltrekord
Überflieger Armand «Mondo» Duplantis entschied sich für einen ungewöhnlich frühen Auftakt in den Wettkampf. Einstiegshöhe 5,60 m, ein Zeichen von Unsicherheit? Eher nicht. Zwar wurde er bis 5,95 von Sam Kendricks (USA), dem Ex-Weltmeister ohne WM-Qualifikation 2023, hart gefordert und kam nicht fehlerfrei durch seine Versuche. Auf 6,00 m sorgte Weltrekordler, Olympiasieger und Weltmeister Duplantis aber wie so oft für den Unterschied zwischen sich und dem Rest der Welt. Als Einziger schaffte er diese Höhe und fuhr einen standesgemässen Sieg ein. Auf den weiteren Plätzen folgten Kendricks (5,95) und KC Lighfoot (USA/5,85).
Immer abzuliefern sei nicht leicht, gab der Schwede zu bedenken. «Ich habe mich nach der WM müde und energielos gefühlt, aber die Leute erwarten von mir, dass ich hoch springe.» Dennoch sei es ihm gelungen, auf 6,23 m eine Weltrekord-Mentalität zu entwickeln. Nur wenig fehlte zum Erfolg im dritten Anlauf auf dieser Höhe.

110 m Hürden: Schweizer Topleistung lanciert Weltstars
Schweizer Rekordhalter Jason Joseph startete bei Weltklasse Zürich mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch. Rang sieben vergangene Woche im WM-Final hatte ganz und gar nicht seinem Gusto entsprochen. Seine Wiedergutmachung im Stadion Letzigrund dauerte exakt 13,08 Sekunden, womit er die eigene nationale Bestmarke um zwei Hundertstel verbesserte.

Hochsprung: Ein emotionaler Karriereabschluss
Der Männer-Hochsprung sorgte für einen Gänsehaut-Moment der besonderen Art, als Loïc Gasch in den Ruhestand als Spitzensportler verabschiedet wurde. Von seinen Konkurrenten gefeiert, vom Publikum bejubelt und vom Co-Meeting Director Andreas Hediger für eine Karriere mit Schweizer Rekord und Hallen-WM-Silbermedaille beglückwünscht, trat Gasch sichtlich gerührt von der grossen Bühne ab.
Die weiteren Sieger des Abends: Yared Nuguse (USA/1500 m), Yomif Kejelcha (ETH/5000 m), Mutaz Essa Barshim (QAT/Hochsprung), Miltiadis Tentoglou (GRE/Weitsprung), Jakub Vadlejch (CZE/Speer).
Highlights der Frauen