Star-Aufmarsch im Stadion Letzigrund: Auf diesen Disziplinen liegt besonderes Augenmerk

Von A wie Audrey Werro bis Y wie Yaroslava Mahuchikh. Bei Weltklasse Zürich erwartet die Fans mit acht Olympiasieger:innen, zehn aktuellen Weltmeister:innen und 15 Europameister:innen Leichtathletik der Extraklasse. Diese acht Entscheidungen gilt es nicht zu verpassen.

Das sagen die Stars an der Medienkonferenz vor Weltklasse Zürich 2026:

Medienkonferenz zum Nachschauen

Das Rennen aller Rennen über 800 m

Audrey Werro (SUI) sorgte Anfang August in Birmingham für emotionale EM-Höhepunkte: Im 800-m-Halbfinal mit einem Schreckmoment, als sie wegen Gegnerinnenkontakt zu Fall kam und erst nach Protest zum Final zugelassen wurde. Tags darauf auferstand sie mit einem phänomenalen Gold-Lauf, als sie sich Olympiasiegerin Keely Hodkinson trotz deren zahlreichen Angriffen vom Leib hielt. Alle Augen werden auch am Donnerstagabend auf die frischgebackene Europameisterin aus dem Kanton Fribourg gerichtet sein, wenn sie ihren Vorjahressieg im Stadion Letzigrund wiederholen will. Ihr stehen die EM-Dritte Femke Broeders-Bol (NED) und 1500-m-Europameisterin Georgia Hunter Bell (GBR) gegenüber. Alles ist angerichtet für ein schnelles Rennen und ein Highlight der besonderen Art.

Olympiasiegerin vs. Weltmeisterin vs. Europameisterin über 100 m Hürden

Bei der WM 2025 zeichnete Ditaji Kambundji verantwortlich für eine der grössten Sensationen der Schweizer Leichtathletik-Geschichte. Nun kommt sie erstmals als Weltmeisterin nach Zürich. Ende Juni noch von einer Oberschenkel-Verletzung zurückgeworfen, befindet sich die 24-jährige Bernerin auf dem aufsteigenden Ast, wurde kürzlich EM-Vierte. Weitere Form-Fortschritte wird es auch brauchen, immerhin erwarten sie Olympiasiegerin Masai Russell (USA), Weltrekordhalterin Tobi Amusan (NGR) und Europameisterin Nadine Visser (NED). Und Vorsicht: Die Schweizer Saisonbestleistung hält eine Weltklasse-Siebenkämpferin, die ebenfalls gemeldet ist. Annik Kälin liess sich beim Siebenkampf in Ratingen (GER) 12,60 notieren. Damit braucht sie sich vor den Spezialistinnen nicht zu verstecken.

Triple-Gold trifft auf Vierfach-Gold

Melissa Jefferson-Wooden (USA) und Amy Hunt (GBR) haben etwas gemeinsam: Bei ihren letzten bedeutsamen Grossanlass-Auftritten gingen sie als unangefochtene Sprintköniginnen vom Platz. Die Amerikanerin siegte bei den Weltmeisterschaften 2025 über 100 m, 200 m und 4x100 m, die Britin gewann in Birmingham gar viermal EM-Gold über 100 m, 200 m, 4x100 m und 4x100 m Mixed. Auf der «piste magique» kommt es zum grossen Aufeinandertreffen, bei dem auch Julien Alfred mitmischen dürfte. Die Lucianerin ist 100-m-Olympiasiegerin und holte sich 2025 die Diamond Trophy in Zürich. Auch Sha’Carri Richardson (USA) darf als Weltmeisterin von 2023 nicht ausser Acht gelassen werden, immerhin hält sie mit 10,77 die beste Saisonbestzeit aller Startenden.

Mahuchikh gegen Olyslagers – oder: Das Duell der Rituale

Im Frauen-Hochsprung kommt es zur Neuauflage des letztjährigen Duells bei Weltklasse Zürich auf dem Sechseläutenplatz: Olympiasiegerin und Europameisterin Yaroslava Mahuchikh (UKR) nimmt es mit der Weltmeisterin und Wanda Diamond League Champion von 2025, Nicola Olyslagers (AUS), auf. Die Affiche ist auch ein Aufeinandertreffen unterhaltsamer Rituale. Während die Ukrainerin sich zwischen den Sprüngen gerne in Decke und Schlafsack hüllt, vergeht bei der Australierin kein Versuch ohne ausführliches, handschriftliches Protokollieren. Schlafsack gegen Tagebuch – welches Ritual heuer wohl erfolgreicher abschneidet?

Sind für Simon Ehammer aller guten Dinge vier?

Simon Ehammer ist zweifelsohne einer der derzeit grossen Leistungsträger der Schweizer Leichtathletik und dies gleich in zwei Disziplinen. Der Appenzeller ist Weltmeister und Weltrekordhalter im Hallen-Siebenkampf, hält im Zehnkampf zudem die Jahresweltbestleistung. Bei Weltklasse Zürich geht er im Weitsprung als Vorjahressieger und EM-Silbermedaillengewinner an den Start. Kann er den Branchenprimus Miltiadis Tentoglou (GRE), Olympiasieger und frischgebackener vierfacher Europameister in Serie, kitzeln? Und treibt der Grieche den Schweizer beim vierten Anlauf bei Weltklasse Zürich im Letzigrund endlich zum ersten 8-m-Sprung?

Olympiasieger vs. Weltmeister vs. Europameister über 1500 m

Fast alles, was Rang und Namen hat, gibt sich über die dreidreiviertel Bahnrunden das Stelldichein. Cole Hocker (USA) ist der 1500-m-Olympiasiger von 2024 und der 5000-m-Weltmeister von 2025. Er wird herausgefordert vom letztjährigen Tokio-Weltmeister Isaac Nader (POR) und dem ebenso unerwarteten Birmingham-Europameister Stefan Nillessen (NED). Nicht minder prominent ist Jakob Ingebrigtsten (NOR), der beim Comeback nach langer Achillessehnen-Verletzung ohne Vorbereitungs-Wettkampf vor zwei Wochen zu 5000-m-EM-Gold lief und am Sonntag in Silesia nach fast zweijähriger Abwesenheit zurück in Diamond-League-Rennmodus fand. Hochspannung ist garantiert.

Nächste Runde im Hürden-Duell des Jahres

Alison dos Santos ist 2026 gewissermassen Karsten Warholms Saison-Schreck. Der Brasilianer fügte dem norwegischen Serien-Europameister bereits vier empfindliche Niederlagen zu, dreimal über die klassischen 400 m Hürden, einmal über 300 m Hürden. Insbesondere das verlorene Duell in Oslo, seinem «Wohnzimmer», dürfte den Wikinger anstacheln, den Spiess gegen den Weltmeister von 2022 endlich umzudrehen. Beide Hürden-Stars sind in Bestform. Vor wenigen Tagen liefen sie beim Wanda Diamond League Meeting in Silesia (POL) mit 46,43 (dos Santos) und 46,52 (Warholm) die sechst- beziehungsweise elftbeste Marke aller Zeiten.

Die Könige der Luft wollen hoch hinaus

Auf dem Papier scheint der Stabhochsprung der Männer eine klare Angelegenheit zu sein. Nach einer dreijährigen Siegesserie jedoch setzte es für Olympiasieger, Welt- und Europameister Mondo Duplantis (SWE) ausgerechnet bei seinem Heimmeeting in Stockholm wieder einmal eine Niederlage ab. Kurtis Marshall (AUS) und später in der Saison Sam Kendricks (USA) in London bezwangen heuer den Überflieger. Bei Athletissima Lausanne vergangenen Freitag erzielte Emmanouil «Manolo» Karalis (GRE) zudem das beste Resultat eines Zweitplatzierten überhaupt. Fünf Zentimeter fehlten auf Duplantis, der mit 6,21 einen «Schweiz-Rekord» und City-Event-Weltrekord aufstellte: Nie zuvor war ein Stabhochspringer auf Schweizer Boden höher geflogen. Beim Eintreffen in der Limmatstadt liess der Schwede verlauten, dass er dereinst nicht zurücktreten können würde, ohne einmal bei Weltklasse Zürich einen Weltrekord aufgestellt zu haben. Was dies wohl für den Donnerstagabend bedeutet?

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