Afrikas Sprintheld gegen Stars and Stripes

Nach WM-Silber und -Bronze 2023 über 100 und 200 m krönte sich Letsile Tebogo in Paris zum ersten afrikanischen Olympiasieger über die halbe Stadionrunde. In Zürich wird der Jäger zum Gejagten. Insbesondere die US-Sprinter Kenneth Bednarek (200 m) und Fred Kerley (100 m) wollen ihr Olympia-Silber und -Bronze mit einem 200-m-Sieg in Zürich vergolden.
Der 8. August gilt seit diesem Jahr als Nationalfeiertag in Botswana. Noch nie hatte ein afrikanischer Sprinter Olympiagold über 200 m gewonnen. Bis der 21-jährige Letsile Tebogo im Stade de France über die lilafarbene Bahn flog und mit Afrikarekord von 19,46 Sekunden Geschichte schrieb.
U20-Weltmeister über 100 m und 200 m war der Hobby-Farmer und Besitzer von mehreren Kühen und Ziegen schon. Nun ist er Botswanas erster Olympiasieger überhaupt und der weltweit fünftschnellste 200-m-Sprinter aller Zeiten. Dabei war Tebogos Mutter im Mai an Brustkrebs verstorben. Deren Initialen und Geburtsdatum auf den Olympia-Spikes schienen ihren Sohn im Rennen seines Lebens zu beflügeln.
Um ein Haar wäre in Paris noch eine zweite Goldmedaille für das 2,6 Millionen Einwohner zählende Land dazugekommen. In der 4x400-m-Männerstaffel lief Tebogo eine horrend schnelle Schlussrunde und brachte Hürden-Olympiasieger Raj Benjamin (USA) arg in Bedrängnis. Bloss 10 Hundertstel trennten den Olympia-Sechsten über 100 m vom wohl ungewöhnlichsten Pariser Sprintdouble (200 m/4x400 m).
Zürich-Neuling winkt dritter «Schweizer» Sieg
Über die halbe Bahnrunde hingegen hatten die hoch gehandelten US-Sprinter das Nachsehen: Angeführt von Kenneth Bednarek, der sich nach Tokio seine zweite Olympia-Silbermedaille umhängen liess, belegten sie hinter Tebogo geschlossen die Plätze zwei, drei und vier.
Bei Weltklasse Zürich fordert Bednarek seinen einzigen Bezwinger zur Revanche heraus. Unterstützung erhält «Kung Fu Kenny» von Landsmann und Schnellstarter Fred Kerley (USA), seines Zeichens Olympia-Zweiter (2021) und Olympia-Dritter (2024) sowie Weltmeister (2022) über 100 m. Vor drei Jahren gelang es den beiden Erst- und Drittplatzierten im Stadion Letzigrund schon einmal, den «Olympic Champion» – damals Andre De Grasse (2.) – in die Zange zu nehmen.
Allerdings dürfte Botswanas Volksheld Letsile Tebogo trotz mehrtätigen Feierlichkeiten in seiner Heimat keine Lust haben, das Zepter beim Zürcher Debüt gleich wieder abzugeben. Es wäre sein dritter Meetingsieg in der Wanda Diamond League Meeting auf Schweizer Boden – nach Athletissima Lausanne 2023 und 2024.
Welche Stars starten am 5. September bei Weltklasse Zürich im Stadion Letzigrund? Die bestätigten Namen gibt es hier.
Credits: Diamond League AG
