«Bei Weltklasse Zürich ist die Hütte immer voll»

Patrick Schmid kommentiert seit über 16 Jahren für Schweizer Radio und Fernsehen Leichtathletik-Events. Weltklasse Zürich ist für den 43-Jährigen eine spezielle Sache – auch wegen des Publikums. Im Interview verrät Schmid, wieso ihm das Meeting 2009 in besonderer Erinnerung ist, wie er sich auf seine Einsätze vorbereitet – und warum er immer einen Feldstecher dabei hat.

Seit 2009 sitzt Patrick Schmid bei jeder Austragung von Weltklasse Zürich auf der Kommentatorentribüne. Für Schweizer Radio und Fernsehen begleitet er den Leichtathletikevent am Mikrofon, dieses Jahr gemeinsam mit Kollege Mario Gehrer. Als Leichtathletik-Kommentator ist der 43-Jährige herumgekommen. Er war unter anderem an den Olympischen Spielen in London/GBR, Rio/BRA oder Tokio/JPN und an Weltmeisterschaften in Südkorea, Katar oder Russland. Und doch ist das Meeting im Letzigrund, quasi vor der eigenen Haustür, etwas ganz Spezielles für Schmid.

Patrick Schmid, was macht Weltklasse Zürich für dich so aussergewöhnlich?

In erster Linie das Publikum. Bei Weltklasse Zürich ist die Hütte immer voll. Zudem sind die Tribünen von Beginn weg sehr gut besetzt, schon während der Vorläufe. Die Leute wollen den Anlass von A bis Z mitverfolgen. Das zeigt auch, wie Leichtathletikaffin die Zuschauenden in Zürich sind. Das erlebe ich sonst nur sehr selten so.

Warum kann der Anlass auf ein solches Publikum zählen?

Weltklasse Zürich ist seit Jahrzehnten ein Top-Event, ein Saison-Highlight, das in der Leichtathletikwelt geschätzt wird. Daher sind auch immer sehr viele Top-Athletinnen und -Athleten am Start. Zudem sind viele Schweizerinnen und Schweizer mit dem Event grossgeworden. Auch ich stand als kleiner Bub, damals noch im alten Letzigrund, auf der Tribüne und habe auf die Bande geklopft.

Welches Erlebnis bei Weltklasse Zürich bleibt dir besonders in Erinnerung?

In besonderer Erinnerung ist bei mir die Austragung 2009. Einerseits war es mein erster Einsatz als Kommentator bei Weltklasse Zürich, andererseits erlebte ich da meinen ersten und bislang einzigen Weltrekord im Letzigrund, als Jelena Issinbajewa im Stabhochsprung 5,06m überwand.

Was ist speziell beim Kommentieren eines Leichtathletik-Events wie Weltklasse Zürich – auch im Vergleich zu anderen Sportarten?

Primär läuft viel mehr, vor allem gleichzeitig. Während eines 5000-Meter-Laufs gehen die technischen Disziplinen beispielsweise weiter. Um auch diese Wettkämpfe ausserhalb des TV-Bilds zu verfolgen, ist ein Feldstecher unerlässlich. Deshalb ist Leichtathletik auch die einzige Sportart, die bei SRF von zwei Kommentatoren begleitet wird. Darüber bin ich sehr froh. Denn aufgrund der Flut von Disziplinen, Athletinnen und Athleten sowie Zahlen wäre das Kommentieren allein kaum handelbar.

Dafür müsst Ihr bei den Diamond-League-Meetings auf eine Expertin oder einen Experten an eurer Seite verzichten.

Das stimmt. Es hat in der Leichtathletik aufgrund der Dichte an Entscheidungen einfach fast keinen Platz für Expertenwissen. Immerhin kann Reporter Paddy Kälin bei Interviews ab und zu eine Expertenstimme einbauen.

Wie behaltet Ihr ob all der gleichzeitig stattfindenden Wettkämpfe die Übersicht während dem Event?

Wir sprechen uns jeweils im Vorfeld ab, wer bei welchen Disziplinen den Lead und wer eher ein Auge auf Hintergrundgeschichten hat. Dementsprechend bereiten wir uns dann vor. Über die Saison wechseln wir uns bewusst ab, damit wir in allen Disziplinen à jour bleiben.

Wie bereitest du dich denn konkret beispielsweise auf Weltklasse Zürich vor?

Der Vorbereitungsaufwand ist generell hoch. Aber Routine hilft da. Zudem haben wir das Privileg, die Athletinnen und Athleten während der ganzen Saison begleiten zu können. Am Tag selber tauche ich jeweils nochmals Disziplin für Disziplin in die Daten ab und definiere Fokuspunkte, Geschichten und Hintergründe, die ich dem TV-Publikum näherbringen möchte.

Wie sammelst du all diese Daten, Fakten und Geschichten?

Mein Kollege Mario Gehrer hat dafür einen riesigen Ordner (lacht). Ich bin mehr digital unterwegs. Im Leichtathletik-Team sammeln wir seit zehn Jahren über die gesamte Saison hinweg Daten und Fakten und schreiben sie in ein riesiges Excel. Da hat sich mittlerweile eine riesige Datenmenge angesammelt.

SRG als «Host Broadcaster» für Weltsignal verantwortlich

Die SRG ist langjähriger «Host Broadcaster» von Weltklasse Zürich und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur weltweiten medialen Präsenz des renommierten Schweizer Leichtathletik-Events. Rund 80 Mitarbeitende sind für die Produktion des sogenannten Weltsignals vor Ort, welches von über 100 TV-Stationen weltweit als Basis für die Übertragung verwendet wird. Produziert wird mit 28 Kameras, unter anderem mit Seilbahn- und Superslow-Kameras.

Weltklasse Zürich-Newsletter abonnieren

Als Weltklasse Zürich-Friend profitierst du von attraktiven Vorteilen – wie z. B. das Stadionticket-Vorkaufsrecht für 2027. Registriere dich mit deiner E-Mail: