«Der Sieg von Audrey Werro war schon unfassbar»

SRF-Radiokommentator Adrian Wicky begleitet Weltklasse Zürich seit 30 Jahren am Mikrofon. Im Interview erzählt er von den Herausforderungen für einen Radio-Kommentator, der Vorbereitung auf ein Meeting und seinen Erinnerungen aus 30 Jahren Weltklasse Zürich.
Adrian Wicky, wer entscheidet eigentlich, wie oft du während Weltklasse Zürich live am Radio zu hören bist?
Das geschieht bereits im Vorfeld des Meetings und in Rücksprache mit den Verantwortlichen bei Radio SRF 3. Wir schauen uns Felder und Timetables an und entscheiden dann gemeinsam, wann ich zugeschaltet werde. Zudem kommentiere ich am Radio auch nicht immer live mit, sondern fasse auch häufig kurz zusammen, was in den vergangenen Minuten passiert ist. Insgesamt komme ich so auf jeweils vier bis fünf Schaltungen pro Stunde, die zwischen 45 bis 90 Sekunden dauern.
Wo setzt ihr den Fokus bei den Liveschaltungen?
Bei der Vielzahl an Entscheidungen und der begrenzten Zeit in unseren Liveschaltungen gilt für uns ganz klar «Switzerland first». Die Entscheidungen mit Schweizer Athletinnen und Athleten haben Vorrang, diese möchten wir unserem Publikum nicht vorenthalten. Danach kommen die weiteren grossen Stars. Das kann natürlich bedeuten, dass einige Entscheidungen nicht live im Radio zu hören sind, sondern vielleicht erst als Zusammenfassung in der nächsten Schaltung. Dies ist definitiv eine Herausforderung für uns Radiokommentatoren.
Wo siehst du grosse Geschichten bei Weltklasse Zürich 2026, die ihr den Hörerinnen und Hörer unbedingt live näherbringen möchtet?
Beim 800-Meter-Lauf der Frauen möchten wir sicher live dabei sein, wenn es einen hoffentlich spannenden Dreikampf zwischen Audrey Werro, Georgie Hunter Bell und Femke Broeders-Bol gibt. Oder auch beim 3000-Meter-Lauf mit Dominic Lobalu. Natürlich können wir nicht das ganze Rennen live kommentieren, aber den Start und Zieleinlauf. Dazwischen gibt’s etwas Musik auf die Ohren der Hörerinnen und Hörer.
Was ist für dich die grösste Herausforderung im Kommentieren von Leichtathletik?
Die Priorisierung der Wettkämpfe und Entscheidungen ist herausfordernd: Was kommentiere ich live und was nehme ich vielleicht in eine kurze Zusammenfassung, obwohl es auch live grossartig wäre? Ich möchte in kurzen Sequenzen ja die ganze Geschichte des Meetings erzählen. Vollständigkeit ist aber aufgrund der hohen Dichte an Entscheidungen fast nicht möglich. Dieses Abwägen ist schon nicht ganz ohne und bedingt eine gute Vorbereitung.
Apropos Vorbereitung: Wie bereitest du dich auf Leichtathletik-Meetings vor?
Mit den TV-Kollegen Mario Gehrer, Patrick Schmid und Matthias Winterberg führe ich eine Datenbank zu den Athletinnen und Athleten. Jeder von uns ist für einen gewissen Zeitraum für die Aktualisierung dieser Datenbank verantwortlich. Hat jemand eine Verletzung? Gab es Trainerwechsel oder neue persönliche Bestzeiten? Gibt es zu gewissen Athletinnen oder Athleten schöne oder spezielle Geschichten hinter dem Profisport? Da ich über die ganze Saison Leichtathletik kommentiere, bin ich eigentlich immer auf dem Laufenden.
Du hast schon rund 30 Ausgaben von Weltklasse Zürich begleitet. Was ist dir speziell in Erinnerung geblieben?
Der Sieg von Audrey Werro letztes Jahr war schon unfassbar, von der ganzen Historie her. Die erste Schweizer Athletin seit 1990, damals war es400-m-Hürdenläuferin Anita Protti, die in Zürich gewinnen konnte, wird noch lange in Erinnerung bleiben. Oder André Bucher 2001, als er als frischgebackener Weltmeister im 800-Meter-Lauf den Schweizer Rekord aufstellte – unvergessen. Natürlich gab es auch internationale Athletinnen und Athleten, die in Erinnerung bleiben. Aber es sind die Schweizer Erfolge, wenn eine Schweizer Athletin oder ein Schweizer Athlet in der Weltspitze ankommt, die mir am meisten in Erinnerung bleiben.
SRG als «Host Broadcaster» für Weltsignal verantwortlich
Die SRG ist langjähriger «Host Broadcaster» von Weltklasse Zürich und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur weltweiten medialen Präsenz des renommierten Schweizer Leichtathletik-Events. Rund 80 Mitarbeitende sind für die Produktion des sogenannten Weltsignals vor Ort, welches von über 100 TV-Stationen weltweit als Basis für die Übertragung verwendet wird. Produziert wird mit 28 Kameras, unter anderem mit Seilbahn- und Superslow-Kameras.

