Dominic Lobalu läuft nicht nur für den Sieg

Als Kind verliert er alles – Eltern, Land und Zukunft –, doch Dominic Lobalu hat nie aufgegeben. In der Schweiz findet der Ausnahmeläufer eine neue Heimat und Familie. Nach den Triumphläufen in den Olympiastadien von Stockholm, Rom und London scheint die Zeit reif für den ersten 3000-m-Siegestanz vor Heimpublikum.
Egal, was noch kommt: Für Dominic Lobalu dürfte sich die Saison 2024 schon jetzt wie ein Märchen anfühlen. Das hat mit seiner bewegenden Geschichte zu tun. Nach dem Verlust beider Elternteile flüchtet er mit neun Jahren vom Bürgerkrieg im damaligen Sudan nach Kenia ins Land der Läufer, wo sein Talent bald entdeckt wird.
Als Mitglied des Flüchtlingsteams von World Athletics (ART) kommt Lobalu 2019 nach Genf und findet in St. Gallen mit Markus Hagmann einen Trainer, Freund und Mentor, der den «Rohdiamanten» zum Gewinner des Wanda Diamond League Meetings 2022 in Stockholm formt.
Inspiration durch Integration
Obwohl der Athlet des LC Brühl den Finalsieg im selben Jahr bei Weltklasse Zürich auf dem Sechseläutenplatz um Haaresbreite verpasst, wird den anwesenden Fans, Politikerinnen und Funktionären bewusst: Hier ist ein beispielhaft integrierter junger Sportler, der andere Menschen – nicht nur über 100 Millionen Flüchtlinge auf der ganzen Welt – mit seiner Geschichte, seiner Lebensfreude und seinen Leistungen zu inspirieren vermag und nicht von der globalen Wettkampfbühne ausgeschlossen werden kann.
Im Herbst 2023 erlaubt World Athletics dem «Läufer ohne Land», an internationalen Meetings und Strassenläufen für die Schweiz zu starten. Seit Frühjahr 2024 darf Lobalu seine neue Heimat auch an Welt- und Europameisterschaften vertreten. Im Römer Stadio Olimpico spurtet der «Swiss Starter» und 5-km-Europarekordhalter zu Bronze über 5000 m und lässt sich über 10 000 m zum Europameister küren.
Sportmärchen geht weiter
Weiterhin ohne Schweizer Pass, aber mit anerkanntem Flüchtlingsstatus, erhält Lobalu vom Internationalen Olympischen Komitee eine Einladung für die Sommerspiele in Paris, geknüpft an die Bedingung, dass er im olympischen Flüchtlingsteam (EOR) antritt. Für die Nummer 7 im Weltranking von World Athletics geht ein Traum in Erfüllung.
Beflügelt von den fünf Ringen, triumphiert der Schweizer Rekordläufer bei der vorolympischen Generalprobe in London mit der damaligen Weltsaisonbestzeit von 7:27,68 Minuten. Im Stade de France wiederum kulminiert das Sportmärchen fast in der ersten leichtathletischen Olympiamedaille eines Flüchtlings. Nur 14 Hundertstel beziehungsweise einen Platz trennen Dominic Lobalu vom 5000-m-Podest.
Für den 26-jährigen Ausnahmeläufer, der in seinem Leben ganz andere Schicksalsschläge und Hürden überwinden musste, kein Grund, sich nicht über die «Ledermedaille» zu freuen. In Zürich möchte er seine Freude und Dankbarkeit mit dem Heimpublikum teilen.
Welche Stars starten am 5. September bei Weltklasse Zürich im Stadion Letzigrund? Die bestätigten Namen gibt es hier.
